Die Finanzexpertin

Die Finanzexpertin ist ein neu entwickeltes Konzept der Volksbank RheinAhrEifel, in dem es um Frauen in der Finanzbranche geht. Wirtschaftlich- und finanziell-engagierte Frauen sind längst keine Ausnahme mehr. Frauen in Führungspositionen haben sich in den letzten Jahren, sei es eben in der Finanzbranche oder in anderen Berufsfeldern, immer mehr etabliert.

Mit der Serie "Die Finanzexpertin" wollen wir einen Einblick in das Arbeitsleben von Frauen in der Finanzbranche geben, welche entscheidende und unabdingbare Positionen in ihrem individuellen Arbeitsalltag ausüben.

Dieser Einblick soll andere Frauen inspirieren und in ihrem Selbstbewusstsein bestärken. Wir vermitteln Tipps und Wissen über Wirtschaft und Finanzen von Frauen für Frauen, damit auch Sie zur nächsten Finanzexpertin werden!

Die Zukunft wird flexibler und bringt mehr Chancen!

Volksbank RheinAhrEifel im Interview mit Wirtschaftsförderin Judith Klassmann-Laux

Foto: WFG Vulkaneifel mbH

In unserer Serie „Die Finanzexpertin“ lassen wir starke Frauen zu Wort kommen. Unsere Mission? Andere Frauen zu empowern und zu ermutigen, ihre berufliche und finanzielle Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Wir freuen uns sehr, dass wir Judith Klassmann-Laux für ein Interview gewinnen konnten. Als Geschäftsführerin der WFG (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) Vulkaneifel mbH ist sie Ansprechpartnerin und Ratgeberin für alle Unternehmerinnen und Unternehmer im Landkreis Vulkaneifel und solche, die es werden wollen. Wir sprechen mit ihr über geschlechterspezifische Unterschiede in der Gründer- und Unternehmerszene, darüber, wie sie als Mutter den Spagat zwischen Beruf und Familie meistert und warum sie die Zukunftschancen für Frauen in Führungspositionen als hoch einschätzt.

Sie sind seit 2017 Geschäftsführerin der WFG Vulkaneifel mbH und Ihre Mission ist es, ExistenzgründerInnen und Unternehmen in der Region zu stärken und die Wirtschaft im Landkreis zu fördern. Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt?

Nach meinem Studium der Diplom-Sozialwissenschaften habe ich beim Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier gearbeitet und u. a. Projekte zur Gründungsförderung von Frauen oder Beratungen „Frauen und Beruf“ durchgeführt. 2010 bin ich mit meinem damaligen Freund und heutigen Mann, Thomas Klassmann (Direktor Regionalmarkt Eifel), zusammengezogen und habe als Gründungsberaterin bei der WFG begonnen. 2012 wurde ich Prokuristin der WFG und bin seither Ansprechpartnerin für die bestehenden Unternehmen im Landkreis Vulkaneifel. Meine Motivation zur Übernahme der Geschäftsführung im Jahr 2017 war und ist es, gestalten zu können. Ich kann den Fokus gezielter setzen, zum Beispiel darauf, GründerInnen auch in der sensiblen Anfangsphase zu begleiten. Besonders hier erfahren junge UnternehmerInnen die größten Herausforderungen.

Erleben Sie in der Beratung Unterschiede zwischen Männern und Frauen? Wie ausgewogen ist der Anteil bei Führungsrollen und GründerInnen?

Ja, Gründerinnen gehen oft weniger Risiken ein, sind aber etwas besser vorbereitet. Die Gründung erfolgt hier meist im Nebenerwerb, was anfangs auch weniger Risiko bedeutet. Nicht selten erfolgt dann nach einigen Jahren der Umstieg in den Vollerwerb, dann, wenn sich das Unternehmen am Markt etabliert hat. Aus unserer Sicht ein gesundes Unternehmenswachstum.  Bei den Unternehmen, die schon länger am Markt sind, stellen wir fest, dass zum Großteil immer noch mehr Männer in Führungspositionen tätig sind als Frauen. Je kleiner der Betrieb, desto mehr Frauen führen – bei den Gründerinnen ist das Verhältnis 50/50.

Nehmen Männer Sie in Ihrer Funktion als Geschäftsführerin in der Zusammenarbeit als Exotin wahr?

Unter Kollegen ist das oft noch so… Wirtschaftsförderung ist ein männlich-dominiertes Berufsfeld. Wenn ich z. B. als Geschäftsführerin der WFG am Forum der deutschen Wirtschaftsförderer teilnehme, sind maximal 20 Prozent der TeilnehmerInnen weiblich. Vor einigen Jahren war dieser Prozentsatz deutlich geringer. Das Bild verändert sich erfreulicherweise zunehmend. Ich habe gelernt, nicht alles persönlich zu nehmen oder entsprechend zu kontern, wenn es mal einen Spruch gibt. In der Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist das anders. Ich bin 2015 auf einen Geschäftsführer gefolgt, der mehr als 30 Jahre die Geschicke der WFG gelenkt hat. Einen solchen Erfahrungsschatz holt man nicht von heute auf morgen auf. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man nun eine Frau oder ein Mann ist. Hier galt es einfach zu beweisen, dass man auch mit neuen Impulsen Akzente setzen kann. Ich denke, das ist mir gelungen. Ich habe aber zu keinem Zeitpunkt erlebt, dass meine Fähigkeiten in Frage gestellt wurden, weil ich eine Frau bin – und dazu noch in Teilzeit arbeite.

Sie sind Mutter eines siebenjährigen Sohns. Wie meistern Sie den Spagat zwischen Familie und Karriere?

Ich habe meinen Wunsch nach einer Teilzeitstelle im Bewerbungsverfahren um die Stelle des Geschäftsführers offen kommuniziert. Ich habe eine 80-Prozent-Stelle mit 32 Stunden pro Woche. Dass es natürlich in den Erkältungsmonaten in der Kita und jetzt Schule auch mal hektisch im Alltag wird, ist nicht zu vermeiden. Da waren die Jahre 2020 und 2021 mit einer geschlossenen Kita oder Notbetreuung natürlich eine besondere Herausforderung für Familien. Wenn unser Sohn krank wird, wechseln mein Mann und ich uns in der Betreuung ab, je nachdem, wer welche Präsenztermine hat. Zudem haben wir viel Unterstützung von der Familie und es gibt großartige externe Betreuungsangebote in der Region. Meinem Mann und mir ist es wichtig, viele Absprachen zu treffen. Der Alltag ist dadurch gut organisiert und es fühlt sich auch gut an. Sollte es zeitlich mal nicht passen, greifen wir auf Tante, Oma und Opa oder einen unserer drei Babysitter zurück. Es gibt einfach immer mal wieder Abendtermine, die mein Mann und ich gleichermaßen in unserer jeweiligen Position wahrnehmen.

Was wünschen Sie sich für eine bessere Work-Life-Balance?

Grundsätzlich wird die WFG Vulkaneifel, wie auch die Unternehmen in der Region, das Thema Fachkräftesicherung begleiten und legt damit automatisch den Fokus auf Work-Life-Balance. Denn nur wer Work-Life-Balance als Anliegen seiner Fachkräfte begreift, ist langfristig wettbewerbsfähig. Beide Partner möchten arbeiten und suchen als Arbeitnehmer Lösungen bei ihren Arbeitgebern. Dies funktioniert nur im Dialog zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und wird am Ende einen positiven Beitrag für die Gesellschaft bringen.

Wie hat sich die Arbeits- und Familienwelt in den letzten Jahren gewandelt – sowohl für Frauen, Männer, UnternehmerInnen?

Frauen brechen eher Muster auf und überzeugen zuerst sich selbst – nach dem Motto „Ich schaffe das“ – und kombinieren Job, Familie und Haushalt. Männer beschäftigen sich (noch) weniger mit dieser Vereinbarung, erwägen seltener Teilzeitarbeit oder längere Elternzeit zu nehmen. Hier wird es in den kommenden Jahren wohl die größten Veränderungen geben. Frauen fordern beruflich mehr Anerkennung, Dialog und Förderung, aber auch Hilfe und Unterstützung, ein.

Angestellte oder Unternehmerinnen bleiben besonders nach dem ersten Kind nicht zu 100 Prozent zu Hause – dies ist heute finanziell für viele Familien auch nicht mehr möglich. Die Zukunft wird flexibler werden und bietet so auch mehr Chancen für Frauen als Unternehmerinnen oder in Führungspositionen.

Was wünschen Sie sich für Frauen im Beruf und insbesondere in Führungspositionen?

Ich hoffe, dass der gegenseitige Respekt und das wertschätzende Miteinander noch bewusster werden. Heutzutage stehen wir uns dort selbst manchmal im Weg. Gerade Frauen (und Mütter) sind gut darin, sich gegenseitig für ihr jeweils gewähltes Modell im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verurteilen.  Für die junge Generation wünsche ich mir z. B. eine gesunde Resilienz und viel Gelassenheit im Umgang mit Leistungsdruck und Veränderungen.

Was sind Ihre Wünsche und Ziele für das nächste Jahr?

Dass wir alle gesund bleiben, nicht vergessen, Spaß zu haben und allgemein zufriedener werden.

Vielen Dank für das schöne Interview.

Das Interview führte Katrin Schildhorn, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Volksbank RheinAhrEifel

Beruf und Finanzen selbstbestimmt in die Hand nehmen!

Volksbank RheinAhrEifel im Interview mit Steuerexpertin Iris Steinacker-Creutzfeldt

In unserer Serie „Die Finanzexpertin“ lassen wir starke Frauen zu Wort kommen. Unsere Mission? Andere Frauen zu empowern und zu ermutigen, ihre berufliche und finanzielle Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Wir freuen uns sehr, dass wir unsere Aufsichtsrätin Iris Steinacker-Creutzfeldt für ein Interview gewinnen konnten. Als selbstständiger Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist sie eine erfolgreiche Frau in einer Männerdomäne und gibt spannende Einblicke und hilfreiche Tipps.

Frau Steinacker-Creutzfeldt, Sie sind Dipl.-Kauffrau, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Gesellschafterin von Steinacker Creutzfeldt Steuerberater Wirtschaftsprüfer Rechtsanwalt. Woher kam Ihre Affinität für diese Themen?

Ich bin mit einem Vater aufgewachsen, der selbständiger Steuerberater ist. Schon als Schülerin habe ich in seiner Kanzlei gearbeitet und Belege abgeheftet, Order sortiert etc.. Ich hatte also schon von klein auf Berührungspunkte. Meine Ausbildung zur Steuerfachgehilfin machte ich allerdings ganz bewusst in einer anderen Kanzlei. Ich merkte sofort, dass es inhaltlich genau mein Ding ist.

Bei der Steuerfachgehilfin ist es aber nicht geblieben, Sie haben direkt weiter gemacht.

Mir war schon früh im Leben klar, dass ich mein eigener Chef sein und irgendwann eine eigene Kanzlei haben möchte. Daher studierte ich nach meinem Abschluss zur Steuerfachgehilfin BWL an der Uni Trier. Ich arbeitete nach dem Bestehen meines Universitätsexamens bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der sog. „Big Four“. Dort bereitete ich mich schon bald berufsbegleitend auf mein Steuerberaterexamen vor. Ein halbes Jahr nach bestandener Steuerberaterprüfung wurde ich Partnerin in einer Steuerberaterkanzlei in Koblenz.

Die Ausdauer hat sich gelohnt. Aber auch bei der reinen Steuerberatung ist es nicht geblieben. Sie haben anschließend auch noch das Examen zum Wirtschaftsprüfer gemacht und damit eine Männerdomäne betreten.

Richtig. Steuerberaterinnen gibt es mittlerweile etliche, die Frauen haben sich gut durchgesetzt. Bei der Wirtschaftsprüfung ist es etwas anders. Der Frauenanteil liegt aktuell hier nur bei ca. 18 Prozent mit 2.710 weiblichen Wirtschaftsprüfern in Deutschland. Das liegt daran, dass der Weg zum Examen sehr langwierig ist. Selten sind die AbsolventInnen beim Examen unter 30 Jahre alt. So liegt der Anteil der unter 30-jährigen Wirtschaftsprüfer in Deutschland derzeit bei ca. 1 Prozent. Frauen entscheiden sich zugunsten der Familienplanung häufig gegen diesen beruflichen Werdegang. Dabei sind die Karriereaussichten hervorragend und es ist eine anspruchsvolle und sehr abwechslungsreiche Tätigkeit mit tiefen und vor allem übergreifenden Einblicken.

Also eine klare Berufsempfehlung. Was würden Sie jungen Frauen raten, die Wirtschaftsprüferin werden wollen?

Fangt so früh wie möglich an und zieht es konsequent in möglichst kurzer Zeit durch! Je jünger man ist, umso weniger andere Verpflichtungen hat man und kann sich voll fokussieren. Die Ausbildung kostet viel Zeit und Energie. Mit Kindern wird das natürlich nochmal anspruchsvoller. Auch ein unterstützender und verständnisvoller Lebenspartner im Hintergrund hilft ungemein.

Was halten Sie von der Frauenquote?

Die Frauenquote ist wichtig, um in unserer Gesellschaft eine Veränderung zu erreichen. Dennoch finde ich es schade, dass es einer Frauenquote bedarf. Ich sehe mich als Berater geschlechtsunabhängig. Die Menschen, die zu mir zur Beratung kommen, tun das doch nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil sie überzeugt sind, dass ich sie gut berate. Viel mehr als die Frauenquote brauchen Frauen Infrastrukturen, die ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen.

Glauben Sie, dass das Steuersystem Frauen benachteiligt?

Nein, das Steuergesetz halte ich grundsätzlich für geschlechtsneutral. Anders sieht es mit den nachgelagerten Systemen aus, die auf dem Steuerrecht aufsetzen. Zum Beispiel die Regelung der Bemessungsgrundlagen für Lohnersatzzahlungen. Da diese am Nettogehalt berechnet werden, werden Frauen aufgrund ihrer Lebensrealität häufiger benachteiligt als Männer. Wenn der Partner mehr verdient, wählen Frauen nämlich häufig die für sie ungünstigere Steuerklasse. Die Nettoauszahlung ist demzufolge geringer, der Ehemann erhält mehr. Gerechter wäre es, das Bruttoeinkommen der Bemessung dafür zugrunde zu legen.

In Ihrem Beruf bekommen Sie Einblicke in die unterschiedlichsten Einkommenssituationen. Wie nehmen Sie die Einkommensentwicklung von Männern und Frauen war?

Da nehme ich in den letzten Jahren eine deutliche Angleichung wahr.

Wenn es um die Finanzen und die Steuererklärung geht – wer hat da in der Ehe in der Regel die Hosen an?

Immer noch ganz klar die Herren. Sie nehmen die Termine in unserer Kanzlei häufig allein wahr. Wenn es um die gemeinsamen Finanzen oder die Finanzen des Familienunternehmens geht, halten sich viele Frauen weiterhin sehr zurück. Sie haben selten vollständige Einblicke in die aktuelle wirtschaftliche Situation. Wenn dann Unvorhergesehenes eintritt, wie eine plötzliche schwere Erkrankung des Partners, eine unverschuldete wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens, eine Insolvenz oder andere ungünstige Situationen, sind Frauen häufig nicht gut vorbereitet.

Welchen Rat möchten Sie Frauen mit auf den Weg geben?

 Sich zu interessieren! Für den Beruf des Partners und wenn er selbstständig ist, auch für das Unternehmen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, das Geschäft und seine Entwicklung zu verstehen und stets informiert zu sein – nicht nur für den Fall, dass dem Lebenspartner etwas zustößt. Das gilt natürlich auch umgekehrt! Ich denke, in einer Partnerschaft sollte man sich gemeinsam um das Familienvermögen kümmern und keine Scheu haben, über Geld zu sprechen.

Vielen Dank für das interessante Interview, liebe Frau Steinacker-Creutzfeldt. Auch dafür, dass Sie sich bereit erklärt haben, für die weiteren Beiträge unserer Serie „Frauen und Finanzen“ die wichtigsten Steuerfragen speziell für unsere Leserinnen zu beantworten.

Sehr gerne!